DAM PREIS 2017

Der DAM Preis geht 2017 an Studio Andreas Heller Architects & Designers aus Hamburg für das Europäische Hansemuseum in Lübeck. Die enorme Breite an differenzierten und langfristig wirksamen städtebaulichen Lösungen gab den Ausschlag für die Juryentscheidung zugunsten des Europäischen Hansemuseums. Das Gesamtprojekt besteht nicht nur aus einem neuen Ausstellungsbau, sondern verlangte zugleich eine Stadtreparatur einschließlich der Wiederherstellung verloren gegangener Wegebeziehungen und die Sanierung eines Ensembles, das baugeschichtlich vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert reicht.

Mit diesem Jahrgang hat der DAM Preis für Architektur in Deutschland eine konzeptionelle Neubestimmung erfahren. In den vergangenen neun Jahren wählte eine jeweils neu zusammengesetzte Jury rund zwanzig Bauten in Deutschland aus. Eines dieser Gebäude erhielt mit dem DAM Preis eine besondere Würdigung. Dieses Prinzip wurde nun erweitert. Die Grundlage der Juryauswahl wurde vom DAM in Zusammenarbeit mit den Architektenkammern der Länder recherchiert. Auf dieser Basis entstand im DAM eine Longlist von 100 Gebäuden. In intensiven Diskussionen während der ersten Sitzung im Mai 2016 wählte die Jury aus diesem Spektrum 21 Bauten in Deutschland für die Shortlist aus. Dazu kommen – außer Konkurrenz – drei Bauten deutscher Büros im Ausland. Der Preisträger wurde erstmals nicht direkt auf der Jurysitzung ermittelt. Stattdessen hat die Jury aus der Gruppe der Bauten auf der Shortlist zunächst vier Finalisten ausgewählt und auf einer Juryfahrt im September besucht. In einer abschließenden Jurysitzung fiel die Entscheidung für den DAM Preis 2017 auf das Europäische Hansemuseum in Lübeck von Studio Andreas Heller Architects & Designers.
Neben dem Hansemuseum war als zweites Ausstellungsgebäude die von kadawittfeldarchitektur aus Aachen entworfene Grimmwelt in Kassel unter den Finalisten. Die beiden Gebäude haben in vielen Aspekten Gemeinsamkeiten: Es sind mittelgroße Museen, auf den Denkmalschutz für die Reste von Vorgängerbauten war zu achten, im Gefüge der Stadt sollten brach gefallene Bereiche wieder aktiviert und neue Orte für das öffentliche Leben geschaffen werden. Absolut konträr hingegen sind ihre museologischen Ansätze.
Eine Besonderheit des dritten Finalistengebäudes, der Generalsanierung und Aufstockung eines Wohnhochhauses am Pforzheimer Hauptbahnhof durch Freivogel Mayer Architekten, lässt sich im Rahmen einer Ausstellung, die das Neue vorstellen möchte, nicht darstellen: Das Haus blieb fast vollständig bewohnt. In den Bestandswohnungen wurden nur möglichst geringe Eingriffe durchgeführt. Dennoch ist unter energetischen Aspekten ein wegweisendes Gebäude entstanden, das zugleich den Bewohnern mit neu vorgesetzten Loggien einen deutlich gesteigerten Wohnwert bietet. Den eher umgekehrten Weg musste Thomas Kröger aus Berlin gehen. Die von ihm umgebaute Scheune in der Uckermark – der vierte Finalist – war ehedem ein Stall, mit allen Komplikationen, die das für eine Nutzung als Wohngebäude bedeutet. Die Umnutzung ist auch ein wichtiger Baustein, um den kleinen Ort Fergitz am Leben zu erhalten. Das neugewonnene Landhaus ist räumlich höchst differenziert und zeichnet sich durch eine beiläufige rustikale Eleganz aus.

Zeitgleich erscheint der Architekturführer Deutschland, in dem das Preisträgerprojekt, die Finalisten und die weiteren Bauten der Shortlist in eigenen Darstellungen von ausgesuchten Architekturkritikern gewürdigt werden. Hinzu kommen drei weitere Beiträge zu herausragenden Gebäuden deutscher Architekten im Ausland. Essays zum aktuellen Baugeschehen ergänzen die jährliche Dokumentation. Die Ausstellung im DAM ist bis zum 30. April zu sehen.

Alle Nominierungen eines Jahrgangs werden auf der Website www.dam-preis.de vorgestellt. In einer handlichen Druckausgabe werden die Bauten zudem im Architekturführer Deutschland präsentiert, der wie auch das Deutsche Architektur Jahrbuch bei DOM publishers, Berlin, erscheint.

Partner: Deutsches Architekturmuseum (DAM) und JUNG


Nominierte Projekte

ARCHITEKTEN STEIN HEMMES WIRTZ
Umbau einer Scheune in ein Wohnatelier, Minden

ARGE FLORIAN NAGLER ARCHITEKTEN \ HERMANN KAUFMANN ZT GMBH 

Schmuttertal-Gymnasium, Diedorf (Schwaben)

BRENNE ARCHITEKTEN

Studentendorf Schlachtensee, Berlin

FELDSCHNIEDERS + KISTER ARCHITEKTEN BDA
Übergangswohneinrichtung »Überseetor«, Bremen-Walle

FREIVOGEL MAYER ARCHITEKTEN

Generalsanierung und Aufstockung Wohnhochhaus, Pforzheim \ FINALIST
GEORG SCHEEL WETZEL ARCHITEKTEN
NS-Dokumentationszentrum München
GERSTMEIR INIC ARCHITEKTEN
Hinterhofhaus, München

GOLDHAMMER & KRATZENSTEIN ARCHITEKTEN

Trauerhalle Straßbessenbach

JESSENVOLLENWEIDER ARCHITEKTUR
Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne, Glashütte\Sachsen
KADAWITTFELDARCHITEKTUR 

Grimmwelt, Kassel \ FINALIST
KRAUS SCHÖNBERG ARCHITECTS
Kinderkreisel Bredenbekkamp, Hamburg
LÖSER LOTT ARCHITEKTEN

Drachenhaus, Dresden-Niedersedlitz
NETZWERKARCHITEKTEN \ HEIKE KLUSSMANN

Wehrhahn-Linie, Düsseldorf
NKBAK

Temporäre Erweiterung der Europäischen Schule, Frankfurt am Main

PRAEGER RICHTER ARCHITEKTEN

Ausbauhaus, Berlin

ROEDIG . SCHOP ARCHITEKTEN
Wohnhaus mit Theater, Berlin
STAAB ARCHITEKTEN
Richard Wagner Museum, Bayreuth

STUDIO ANDREAS HELLER ARCHITECTS & DESIGNERS 

Europäisches Hansemuseum Lübeck \ FINALIST
TKA THOMAS KRÖGER ARCHITEKTEN 

Landhaus in der Uckermark \ FINALIST
VON M ARCHITEKTEN
Kinder- und Familienzentrum, Ludwigsburg-Poppenweiler

WERK A ARCHITEKTUR
Atelierhaus am See, Friedrichswalde

Auslandsprojekte

GRÜNTUCH ERNST ARCHITEKTEN

Deutsche Schule Madrid, Spanien

KÉRÉ ARCHITECTURE
Centre de Santé et de Promotions Sociale, Laongo, Burkina Faso
LIN

PAQ – Wohngebäude, Paris, Frankreich

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 22.11.2017