Brutalismus
EUROPEAN UNION PRIZE FOR CONTEMPORARY ARCHITECTURE – MIES VAN DER ROHE AWARD

Der Architekturpreis der Europäischen Union, organisiert von der Fundació Mies van der Rohe in Barcelona, würdigt herausragende, innovative, aktuelle Baukunst und visionäre Architekten. Er ist der renommierteste aller Architekturpreise in Europa. Das Deutsche Architekturmuseum ist als Mitglied des Lenkungs- wie auch des Beratungskomitees an der Organisation des Preises beteiligt.

In den letzten Jahren hat die Teilnahme neu aufkommender Methoden und junger Architekten exponentiell zugenommen. Ein Viertel der ausgewählten Arbeiten der Shortlist wurde von Teams gebaut, die entweder unter 40 Jahre altsind, oder deren Büros nicht mehr als 10 Jahre alt sind. Von den 40 Arbeiten der Shortlist wurden 24 in Stadtzentren (60%), 9 in natürlichen Umgebungen (23%) und 7 in Randgebieten von Städten (17%) gebaut. Es gibt 4 Arbeiten in Frankreich, 4 in Portugal und 4 in Großbritannien; 3 in Dänemark, Spanien, Finnland, den Niederlanden und Norwegen; 2 in Belgien, 2 in Deutschland (in Fergitz und Lübeck), Irland und der Türkei; und je 1 in Italien, Litauen, Polen, Rumänien und Schweden. Die Städte mit den meisten Arbeiten sind London (3), Lissabon (2), Dublin (2) und Espoo (2).

Die im Februar bekannt gegebenen Finalisten wurden von der Jury im April bereist, sodass der Gewinner nun feststeht: deFlatKleiburg, Amsterdam, eine Sanierung von NL Architects und XVW architectuur (beide Amsterdam). Zum ersten Mal wird der Preis damit nicht an einen Neubau vergeben. Der 1962 geplante Komplex im Amsterdamer Bijlmermeer ist mit 500 Wohnungen einer der größten Bauten in den Niederlanden. Das Sanierungskonzept musste günstiger als der Abriss sein und wurde so eine Entkernung, nach der die Bewohner ihre Bleibe nach vorgegebenen Kombinationen selbst  instandsetzen konnten. DeFlat Kleiburg sei eine Lösung für die aktuelle Wohnungskrise in europäischen Städten, wo es meist nur darum gehe, mehr zu bauen – während die Frage, welche Art von Wohnungen gebaut werden sollten, unbeantwortet bliebe. Kleiburg reagiere auf sich verändernde Haushaltsgrößen und Lebensformen im 21. Jahrhundert. Es biete Wohnen zum Niedrigpreis von 1200 Euro pro Quadratmeter, so die Jurybegründung. Der Emerging Architect Prize ging an das Brüsseler Wohnungsprojekt NAVEZ – 5 social units as Northern entrance of Brussels des Brüsseler Büros MSA/V+.

Die Preisverleihung findet am 26. Mai 2017 im Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe statt.


Gewinner:

deFlatKleiburg \ Amsterdam, NL \ NL Architects, XVW architectuur (Amsterdam)

Emerging Architect Prize:

NAVEZ – 5 social units as Northern entrance of Brussels \ Brussels, BE \ MSA/V+ (Brussels)

Finalisten:

Kannikegården \ Ribe, DK \ Lundgaard & Tranberg Architects (Copenhagen)
deFlatKleiburg \ Amsterdam, NL \ NL Architects, XVW architectuur (Amsterdam)
Ely Court \ London, UK \ Alison Brooks Architects (London)
THE RIVESALTES MEMORIAL MUSEUM \ Ribesaltes, FR \ Rudy Ricciotti (Bandol)
Katyn Museum \ Warsaw, PL \ BBGK Architekci (Warsaw)

40 ausgewählten Arbeiten der Shortlist:

NAVEZ – 5 social units as Northern entrance of Brussels
\ Brussels, BE
Polyvalent Infrastructure \ Spa, BE
European Hansemuseum \ Lübeck, DE
Barn \ Fergitz, DE
Kannikegården \ Ribe, DK
Kvæsthus Pier \ Copenhagen, DK
Skjern River Pump Stations \ Skjern, DK
Museum of the Royal Collections \ Madrid, ES
House 1014 \ Granollers, ES
Collective housing for elderly people and civic and health centre \ Barcelona, ES
Suvela Chapel \ Espoo, FI
Opinmäki School \ Espoo, FI
Puukuokka Housing Block (house 1) \ Jyväskylä, FI
Community Workshop \ Poigny-la-Forêt, FR
59 Dwellings, Neppert Gardens Social Housing \ Mulhouse, FR
THE RIVESALTES MEMORIAL MUSEUM \ Ribesaltes, FR
Ariane futsal sports complex \ Nice, FR
Model School Inchicore \ Dublin, IE
Merrion Cricket Pavilion \ Dublin, IE
Fondazione Prada \ Milan, IT
Rasu Houses \ Vilnius, LT
Landmark Nieuw-Bergen \ Nieuw-Bergen, NL
Timmerhuis \ Rotterdam, NL
deFlatKleiburg \ Amsterdam, NL
Weekend House at Sildegarnsholmen \ Herøy, NO
Moholt 50I50 – Timber Towers \ Trondheim, NO
Eldhusøya Tourist Route Project \ Averøy, NO
Katyn Museum \ Warsaw, PL
House in Oeiras \ Oeiras, PT
Museum of Art, Architecture and Technology \ Lisbon, PT
EDP Headquarters \ Lisbon, PT
Nadir Afonso Museum for Contemporary Art \ Chaves, PT
Take a(l)titude \ Fagaras Mountain, RO
Östermalm's Temporary Market Hall \ Stockholm, SE
Angelos Organic Olive Oil Mill \ Bademli, Dikili, Izmir, TR
Beyazıt State Library Renovation \ Istanbul, TR
Holmes Road Studios \ London, UK
Shepherdess Walk Housing \ London, UK
Ely Court \ London, UK
Granby Four Streets \ Liverpool, UK

Ein Drittel der Arbeiten geht die Herausforderung zeitgenössischer Architektur im Bezug auf Baudenkmäler an. Die Verwaltung historischer Stadtbilder wird ein Schlüsselthema im „Europäischen Jahr des Kulturerbes“ 2018 sein. Die Mitglieder der Jury unterstreichen, dass die Gruppe der 40 außerordentlichen Arbeiten eine Abnahme ikonenhafter Architekturprojekte zeigt. Außerdem stechen die Mischnutzung der Werke und die Prävalenz von Wohnbauprojekten (14) und kulturellen Einrichtungen (11) hervor. Bildung, Unterkunft, Industrie, Sport, Büros, Landschaft, Mischnutzung und Sozialfürsorge sind ebenfalls präsent.

Der Jury gehören folgende Mitglieder an:

  • Stephen Bates, Präsident der Jury, Architekt, geboren 1964, Direktor, Sergison Bates architects, London - Zürich
  • Gonçalo Byrne, Architekt, geboren 1941, Direktor, Gonçalo Byrne Arquitectos
  • Peter Cachola Schmal, Architekt, geboren 1960, Direktor des Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt am Main
  • Pelin,Derviş, Architektin, geboren 1967, Forscherin, Herausgeberin und unabhängige Kuratorin
  • Dominique Jakob, Architektin, geboren 1966, Direktorin, Jakob+MacFarlane
  • Juulia,Kauste, Soziologin, geboren 1967, Direktorin des Suomenarkkitehtuurimuseo Helsinki
  • Małgorzata,Omilanowska, Kunst- und Politikhistorikerin, geboren 1960, Professorin an der Universität Danzig
Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 22.09.2017