INTERNATIONALER HOCHHAUS PREIS

Der Internationale Hochhaus Preis (IHP) wird seit 2004 alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt am Main ausgelobt. Initiiert wurde der Internationale Hochhaus Preis 2003 gemeinsam von der Stadt Frankfurt mit dem Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank. Seitdem wird er in partnerschaftlicher Kooperation vom Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank organisiert und finanziert und im Jahr 2014 zum sechsten Mal verliehen. Der Internationale Hochhaus Preis wird für ein Bauwerk vergeben, das exemplarische Nachhaltigkeit, äußere Form und innere Raumqualitäten wie auch soziale Aspekte zu einem vorbildlichen Entwurf verbindet. Planer und Bauherren erhalten gemeinsam den Preis – eine Statuette des international bekannten Künstlers Thomas Demand und ein Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro.


Preisträger 2016:

Das Wohnhochhaus ‘VIA 57 West‘ in New York gewinnt den mit 50.000 Euro dotierten Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. Der Architekt Bjarke Ingels (BIG – Bjarke Ingels Group) und Bauherr Douglas Durst (The Durst Organization) nahmen die Preisstatuette und das Preisgeld im Rahmen des Festaktes in der Frankfurter Paulskirche entgegen.

Der 136 m hohe Hybrid VIA 57 West (New York/USA) aus klassischem Hochhaus und traditioneller europäischer Blockrandbebauung ragt, direkt am Hudson River gelegen, in Form eines silber schimmernden Tetraeders in die Höhe. „Das Projekt zeichnet sich durch seine Neuinterpretation des New Yorker Blocks aus – das ist das wirklich Interessante daran“ (Stefano Boeri). Unter seiner stählernen Dachhaut gruppieren sich über 700 Wohnungen um einen begrünten Innenhof. Dieser dient in einer industriell geprägten Nachbarschaft mit Highway, Elektrizitätswerk und Müllaufbereitungsanlage als ruhige Oase zum gemeinschaftlichen Verweilen. Zusätzlich bietet der Prototyp eines „Courtscrapers“ mit seinem „innovativen Design“ (Thomas Schmengler, Jury-Mitglied) am Westrand von Manhattan durch seine einzigartige Form allen Bewohnern eine unverbaubare Aussicht auf den Fluss.
 


Die Finalisten 2016:

  • Four World Trade Center, New York
    Architekten: Maki & Associates, Tokio\Japan
  • 432 Park Avenue, New York
    Architekten: Viñoly, New York NY\USA
  • Sky Habitat, Singapur
    Architekten: Safdie Architects, Somerville\USA
  • SkyVille@Dawson, Singapur
    Architekten: WOHA Architects, Singapur
  • VIA 57 West, New York
    Architekten: Bjarke Ingels Group (BIG), Kopenhagen\Dänemark



Der deutliche Trend in der Hochhausentwicklung, weg vom Bürohochhaus hin zum Wohnturm, wird auch in diesem Jahr von den Finalisten fortgeführt. Es scheint, dass „die Innovation im Wohnungsbau stattfindet“, Jury-Mitglied Brigitte Shim. Die diesjährigen Finalisten zeigen zudem, dass New York im Wettstreit um innovative Entwicklungen beim Bau von Hochhäusern wieder eine entscheidende Rolle spielt. Generell sind die Trends in Asien und Nordamerika die global bestimmenden Kräfte. „In Asien lässt sich beobachten, wie die Auswirkungen tropischer, klimatischer und umweltbedingter Veränderungen effektiv in den Entwurf neuer Typen von Wohnhochhäusern einbezogen werden. In New York setzen die Finalisten auf die ein oder andere Art ein Zeichen der Macht.“, wie Jury-Mitglied Ole Scheeren resümiert.

Das Four World Trade Center (New York/USA) von Maki & Associates ist nach dem 7 World Trade Center der zweite neue Turm, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 am Ground Zero fertiggestellt wurde. Leise und unprätentiös fügt sich der Büroturm in seine bedeutsame Nachbarschaft ein. Dabei reflektiert die Glasfassade die Umgebung so perfekt, dass sich die Konturen des Turms nahezu auflösen. Durch diesen Effekt wird der kostbare Baugrund zwar wirtschaftlich genutzt, aber gleichzeitig dem emotionalen Ort weiterer Raum gewährt. „Die verspiegelte Fassade und die skulpturale Qualität dieses Projekts sind so hervorragend ausgeführt, dass es Momente gibt, in denen das Gebäude bei einem Perspektivwechsel zu verschwinden scheint. Diese Immaterialität bietet eine Antwort auf die Frage, was man aus dem Nichts erschaffen kann.“ (Ole Scheeren)

Deutlich überragt der schlanke Turm 432 Park Avenue (New York/USA), seit der Fertigstellung des Rohbaus im Oktober 2014, alle anderen Gebäude im nördlichen Manhattan. Aktuell ist der Bau von Rafael Viñoly Architects das höchste Wohnhochhaus der Welt und das dritthöchste Gebäude in den Vereinigten Staaten. Innovative Tragwerkstechniken ermöglichten erst diese schwindelerregende Höhe auf einem verhältnismäßig kleinen Grundriss. Mit diesen extrem schlanken Proportionen dient das Projekt als Exempel für neue Türme in den dichtesten Metropolen dieser Welt. Für den Jury-Vorsitzenden Stefano Boeri ist klar, dass „Viñoly einen Markstein schaffen wollte, einen neuen Prototyp des Hochhauses. Seine superschlanke Nadel mit dem erstaunlichen Schlankheitsgrad von 1:15 ist die perfekte Ikone der Idee eines Hochhauses und wird ganz bestimmt auf der ganzen Welt Nachahmer finden.“

Die weiße Wohnskulptur von Safdie Architects SkyHabitat, Singapur besteht aus zwei abgetreppten Zwillingstürmen, die über drei „sky bridges“ miteinander verbunden sind. In einer grünen Parklandschaft gelegen, passt sich das Gebäude mit seiner offenen Struktur den Anforderungen des extremen Klimas an. Gleichzeitig bietet es seinen Bewohnern ansprechende Frei- und Gemeinschaftsflächen. Somit ist das Projekt ein hochwertiges Beispiel für neue Wohnformen in den Tropen. Für Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums präsentiert das Projekt „ein neues, faszinierendes Konzept der vertikalen Stadt. Es ist eine Wohnmaschine, mit bestimmten hochwertigen Annehmlichkeiten wie Balkonen für jede Wohnung, Dachgärten, Pools etc. für all seine Mittelklassebewohner. Es hebt den Wohnungsbau auf eine neue Ebene.“

SkyVille @ Dawson, Singapur, von WOHA ist ein herausragendes Beispiel für den sozialen Wohnungsbau in Singapur mit 960 Wohnungen. Die flexibel gestalteten Einheiten des "hyper-dichten" Komplexes wurden in kleine „Dörfer“ gruppiert, die sich diverse Gemeinschaftsflächen teilen. Kleine Communities entwickeln sich und der Zusammenhalt wird gestärkt „Es ist eine Art Dorf unter freiem Himmel, das sich über zwei anderen Dörfern befindet, wodurch man Teil des Ganzen und gleichzeitig Teil einer kleineren Einheit ist“, unterstreicht Brigitte Shim. Somit leistet dieser Typ Hochhaus einen besonderen Beitrag gegen die Anonymität in den Megacities dieser Zeit.


Die nominierten Projekte 2016:

  • Torun Tower, Istanbul, Türkei
    Architekten: Arquitectonica, Miami, USA
  • EZB – Europäische Zentral Bank, Frankfurt am Main, Deutschland
    Architekten: Coop Himmelb(l)au, Wien, Österreich
  • Metro Residences Chatswood, Sydney, Australien
    Architekten: Cox Richardson Architects & Planners, Sydney, Australien
  • 50 United Nations Plaza, New York, USA
    Architekten: Foster + Partners, London, Großbritannien
  • Burj Mohammed Bin Rashid Tower & World Trade Center Abu Dhabi, Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate
    Architekten: Foster + Partners, London, Großbritannien
  • South Beach Towers, Singapur
    Architekten: Foster + Partners, London, Großbritannien
  • Shanghai Tower, Shanghai, China
    Architekten: Gensler, San Francisco, USA
  • Bund SOHO, Shanghai, China
    Architekten: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, Deutschland
  • d’Leedon, Singapore
    Architekten: Zaha Hadid Architects, London, Großbritannien
  • Wangjing SOHO, Peking, China
    Architekten: Zaha Hadid Architects, London, Großbritannien
  • VIA 57 West, New York, USA
    Architekten: BIG - Bjarke Ingels Group, Kopenhagen, Dänemark
  • CapitaGreen, Singapur
    Architekten: Toyo Ito & Associates, Tokio, Japan
  • Cosmopolitan Twarda 2/4, Warschau, Polen
    Architekten: JAHN Architecture, Chicago, USA
  • Torre BBVA Bancomer, Mexiko-Stadt, Mexiko
    Architekten: Legorreta, Mexiko-Stadt, Mexiko | Rogers Stirk Harbour + Partners, London, Großbritannien
  • Fake Hills (Part 1), Beihai, China
    Architekten: MAD Architects, Peking, China
  • Allianz Tower, Mailand, Italien
    Architekten: Andrea Maffei Architects, Mailand, Italien | Arata Isozaki & Associates, Tokio, Japan
  • 4 World Trade Center, New York, USA
    Architekten: Maki & Associates, Tokio, Japan
  • Rothschild Tower, Tel Aviv, Israel
    Architekten: Richard Meier & Partners Architects, New York, USA
  • Le Nouvel Ardmore, Singapur
    Architekten: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich
  • Federation Towers, Moskau, Russland
    Architekten: nps tchoban voss, Hamburg, Deutschland | SAA Schweger Associated Architects, Hamburg, Deutschland
  • Intesa Sanpaolo, Turin, Italien
    Architekten: Renzo Piano Building Workshop, Genua, Italien
  • Citygate Tower & Leopold Tower Complex, Wien, Österreich
    Architekten: querkraft architekten, Wien, Österreich
  • SkyHabitat, Singapur
    Architekten: Safdie Architects, Somerville, USA
  • SkyTerrace @ Dawson, Singapur
    Architekten: SCDA Architects, Singapur
  • 1 World Trade Center, New York, USA
    Architekten: Skidmore, Owings & Merril LLP, Chicago, USA
  • Baccarat Hotel & Residences, New York, USA
    Architekten: Skidmore, Owings & Merril LLP, Chicago, USA
  • Jiangxi Nanchang Greenland Central Plaza, Nanchang, China
    Architekten: Skidmore, Owings & Merril LLP, Chicago, USA
  • Abeno Harukas, Osaka, Japan
    Architekten: Takenaka Corporation, Osaka, Japan
  • 432 Park Avenue, New York, USA
    Architekten: Rafael Viñoly Architects, New York, USA
  • SkyVille @ Dawson, Singapur
    Architekten: WOHA Architects, Singapur


Die bisherigen Gewinner des IHP:

  • 2014: „Bosco Verticale“ in Mailand (78 und 121,5 m), Boeri Studio und Bauherr Hines Italia
  • 2012: „1 Blight Street“ in Sydney (139 Meter), Kooperation zwischen ingenhoven architects aus Düsseldorf und Architectus aus Sydney sowie Bauherr DEXUS Property
  • 2010: „The Met“ in Bangkok (230 Meter), WOHA Architects aus Singapur und Bauherr Pebble Bay, Thailand
  • 2008: “Hearst Building“ in New York (182 Meter), Foster + Partners und Bauherr Hearst Corporation
  • 2006: „Torre Agbar“ in Barcelona (142 Meter), Ateliers Jean Nouvel und Bauherr Layetana
  • 2004: „De Hoftoren“ in Den Haag (144 Meter),Kohn Pedersen Fox Associates (International) PA, London und Bauherr ING Vastgoed
Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 22.11.2017