GEWAHRSAM. Räume der Überwachung

21.04.2007 - 30.09.2007
Die Ausstellung und alle Veranstaltungen, soweit nicht anders angegeben, finden statt im ehemaligen Polizeigewahrsam im Klapperfeld, Klapperfeldstraße 5, Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: Di, Do - So 12:00 - 18:00, Mi 12:00 - 20:00
Führungen: Sa + So 15:00

Der ehemalige Polizeigewahrsam im Klapperfeld steht seit November 2003 leer und wartet auf den Abriss oder die Umnutzung durch private Investoren. Der Bau aus dem Jahr 1888 entstand zusammen mit dem Polizeipräsidium auf der Zeil 60, gegenüber dem Justizzentrum. Der gelbe Kasten dürfte den Besuchern der unteren Zeil und des Oberlandesgerichts wohl vertraut sein.

Das Deutsche Architekturmuseum wird die ansonsten verschlossenen und unzugänglichen Räume des Frankfurter Gewahrsams erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich machen: die Aufnahme, die Flure, die Einzelzellen, die Gruppenzellen … Mit diesem Gastspiel soll dem rechtschaffenden Bürger ein seltener Einblick in die Räume und den Alltag eines Gefängnisses geboten werden. Die Ausstellung wird die wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte des Frankfurter Polizeigewahrsams wie auch des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses Hammelsgasse und den Neubau des Polizeipräsidiums an der Adickesallee erläutern. Neben den Frankfurter Gefängnissen wird ein historisches Tableau von Gefängnistypologien ausgebreitet, das auf unterschiedlichen Konzepten für Inhaftierung und Überwachung basiert.

Im Sinne von Foucaults Schrift „Überwachen und Strafen“ wird der Diskurs des Strafvollzugs anhand unterschiedlicher baulicher Formen von Gefängnissen seit der frühen Neuzeit dargestellt. Angefangen bei den ersten Besserungsanstalten mit Einzelzellen, über die Zucht- und Arbeitshäuser, über Benthams Idee des Panopticons, das Pennsylvanian System, das Auburn System bis zu Stammheim und Guantanamo werden bauliche Strukturen und Kontrollsysteme gezeigt, die zum einen versuchen, den Delinquenten zu bessern, und zum andern den Strafvollzug effektiver und rationeller zu gestalten.

Seit dem Anschlag vom 11. September werden effektivere Überwachungstechniken zum Schutz der Gesellschaft gefordert. Bedürfnisse nach mehr Sicherheit und Prävention haben die Diskussion um Überwachung unter andere Vorzeichen gestellt. Durch allgegenwärtige Kontrollsysteme wie Überwachungskameras scheint mittlerweile der öffentliche Raum zur Disposition zu stehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kehrer Verlag, Heidelberg.

Rahmenprogramm

Sonderführung 25. April 2007, 18 Uhr
KERKER, KARZER, KLAPPERFELD
mit Yorck Förster und Arne Winkelmann, Kuratoren der Ausstellung
Teilnahmekosten: EUR 5,--

Lange Nacht der Museen 5. Mai 2007, 19 – 2 Uhr
BAR IM WEIBERHOF
Suppenküche des THW
Film „Abriss Hammelsgasse“
Film „Berühmte Knäste, berühmte Gäste“

Sonderführung Termin wird noch angekündigt
DAS POLIZEIGEWAHRSAM KLAPPERFELD
mit einem diensthabenden Polizeibeamten
Teilnahmekosten: EUR 5,--

Symposium 15. Juni 2007, 18 Uhr,
im Auditorium des DAM, Schaumainkai 43
NEUE GEFÄNGNISSE
Vorträge von Josef Hohensinn, Hohensinn Architektur, Graz und Axel Krüger, Frick Krüger Nusser, plan2 GmbH, München
Anschließend Podiumsdiskussion
Teilnahmenkosten: EUR 10,--
(2 Fortbildungspunkte AKH)

Führungen nach Vereinbarung
Yorck Förster 0178 / 55 20 111

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 24.04.2018