PETER KULKA. Minimalismus und Sinnlichkeit

12.11.2005 bis 5.2.2006

Der 1937 in Dresden geborene Peter Kulka studierte nach einer Maurerlehre in Berlin Weißensee bei Selman Selmanagic. Anschließend war er Mitarbeiter von Hermann Henselmann in Ostberlin. Nach seiner Flucht in den Westen arbeitete er für Hans Scharoun. Als selbständiger Architekt hatte er in der Partnerschaft Herzog, Köpke, Kulka, Töpper und Siepmann einen ersten großen Erfolg mit dem Bau der Universität in Bielefeld. 1979 gründete er sein eigenes Büro in Köln, dem 1991 eine Niederlassung in Dresden folgte.

Im Kontext der zeitgenössischen Architektur in Deutschland gilt Peter Kulka als ein Vertreter einer knappen und minimalistischen Formensprache. Zu dieser Einschätzung mag Heinrich Klotz beigetragen haben, der im Hinblick auf den von Kulka entworfenen Sächsischen Landtag in Dresden prototypisch eine neue Einfachkeit in der Architektur verwirklicht sah. Die prominentesten seiner Bauten neben dem Parlamentsbau in Dresden, das „Haus der Stille“ der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede, das jüngst fertiggestellte Bosch-Haus Heidehof in Stuttgart, oder die Neugestaltung des Kammermusiksaals und Foyers im Konzerthaus Berlin unterstreichen diese formale Einschätzung.

Ihre Qualität erhalten Kulkas Projekte weniger durch eine stilistische Festlegung als durch eine äußerst differenzierte Bezugnahme auf den Ort und eine subtile Sinnlichkeit in der Wegführung und Raumdramaturgie. Das „Weniger“ an offensichtlichen Gestaltungsmitteln kann in seinen Projekten durchaus mit einem „Mehr“ an sinnlicher Raum- und Ortserfahrung einhergehen. Das von außen blockhaft-kubisch wirkende Gästehaus der Benediktiner etwa entfaltet im Inneren das gesamte Programm eines Klosters aus Weg, Kapelle, Kreuzgang und Refektorium. Die Geschlossenheit des der inneren Einkehr gewidmeten Baus wird gezielt durch Ausblicke auf die umgebenden Obstbauwiesen aufgebrochen.

Peter Kulkas Architektur steht beispielhaft für ein zeitgenössische Bauen, das die Auseinandersetzung mit dem historischen Bestand nicht scheut. Ein guter Teil seiner Planungen der vergangen Jahre ist als Ergänzung oder Sanierung von denkmalgeschützten historischen Gebäuden entstanden. Beispiele dafür sind der Umbau der Herfurtschen Villa für die Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig, die Sanierung des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden oder die aktuellen Planungen für den Lorenzistock des Alten Hofs in München und zum Wiederaufbau des Dresdner Schlosses. Historische Schichten werden in diesen Projekten aufgenommen und durch eine zeitgenössische Ebene fortgeführt.

Nicht zuletzt ist Peter Kulka auch ein Architekt, bei dem eine minimalistische Grundhaltung keineswegs mit einer dogmatischen Orientierung am rechten Winkel einhergeht. Für das Sportstadion Chemnitz und den Olympiapark in Leipzig sind Entwürfe entstanden, die mehr eine offene Landschaft als eine geschlossene Architektur sind. Unter einer wolkenartigen Dachmembran hätte ein unregelmäßiger Stützenwald eine topographische Schichtung der Tribünen getragen.

Diese erste umfassende monographische Ausstellung über Peter Kulka zeichnet die vielfältigen Entwicklungslinien in seinem Werk nach. Im Zentrum der Ausstellung stehen 22 beispielhafte Planungen der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte. In thematischen Gruppen werden unterschiedliche Aspekte seiner Architektur konturiert.

Zu der Ausstellung erscheint in der Edition Axel Menges ein 272 Seiten umfassender Katalog.

 

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 26.03.2019