TENSEGRITY. Flächentragwerke aus Seilen und Röhren – Architekturmuseum macht Schule

29. Januar – 24. Februar 2008

Architekturmuseum macht Schule:
Eine Kooperation des Deutschen Architekturmuseums und der Bettinaschule Frankfurt

Eröffnung der Ausstellung am Dienstag, den 29. Januar 2008, 19.00 Uhr im DAM Auditorium.

Museumspädagogisches Konzept

Architektur betrifft ausnahmslos jede/n von uns. Wo wir gehen und stehen, Architektur ist immer schon da und das 24 Stunden am Tag. Sie ist unsere „dritte Haut“, sie klebt an uns, wir werden sie nicht los, selbst wenn wir wollten. Sie müsste uns Nutzern und Nutzerinnen also eigentlich auf den Nägeln brennen und doch interessiert sie die meisten von uns eher wenig.

Architektur ist allenthalben Bestandteil schulischer Lehrpläne, im Unterrichtsalltag jedoch spielt sie eine eher untergeordnete Rolle, häufig ein wenig stiefmütterlich behandelt.
Daran (hoffentlich) etwas zu ändern, ist die pädagogische Absicht der Projektidee „Architekturmuseum macht Schule“, die in diesem Diskussionszusammenhang entstanden ist. Möglichst quer durch die Schullandschaft sollen praxisorientierte, alltagsbezogene Projekte Schüler/innen die Tür zur Architektur öffnen und dieser im Gegenzug die manchmal fehlende Bodenhaftung verleihen.
Das Projekt „Tensegrity- Statik zum Anfassen“, zugeschnitten auf die gymnasiale Oberstufe, bietet Schüler/innen die Möglichkeit, architektonische Prinzipien auf höchst eingängige Weise nicht nur nachzuvollziehen, sondern auch mit der Realisierung entsprechender Raumtragwerke zu experimentieren. „Tensegrity“ spricht die Fächer Kunst und Physik gleichermaßen an und fordert einmal mehr auf, in Kontexten zu denken.

Ziel ist die Vermittlung statischer Prinzipien durch den Bau eines Tensegrity-Architekturmodells. In experimenteller Weise entsteht ein Pavillon, eine Konzertmuschel oder ein Ausstellungsgebäude – umgesetzt im Maßstab 1:100.

Das Experimentieren mit Schnur und Röhren im kleinen Maßstab macht die Stabilität und unendliche Variabilität dieser Tensegrity-Raumtragwerke erfahrbar. Der leichte Druck mit dem Finger vermittelt die Steifigkeit und Festigkeit des selbstentworfenen Gebildes.

Begleitend lernen die Schüler/innen die Ingenieursvision und -bauten der 50/60er Jahre, einem wenig beachteten Aspekt der Nachkriegsmoderne, kennen. Dreh- und Angelpunkt ist das Werk des amerikanischen Ingenieurs Buckminster Fuller.

Hintergrund

Die Entwicklung der Tensegrity-Strukturen ist eng mit den Namen des amerikanischen Ingenieurs Richard Buckminster Fuller (1895 - 1983) und dem zeitgenössischen Künstler Kenneth Snelson verbunden. Fuller war fasziniert von Strukturen aus Bausteinen, die einander nicht berühren. Mit Drahtseilen und Röhren schuf er räumliche Strukturen, die mit minimalem Aufwand die Zug- /Druckkräfte aufnehmen und visualisieren.

Snelson schuf als Schüler von Fuller mit seiner Skulptur „X-Piece“ die Grundlage für die konsequente Entwicklung dieser Art von Strukturen, die Fuller später als „tensegrity“ bezeichnete, wobei er dieses Kunstwort aus dem Begriff „tensional integrity“ entwickelte.

Klassische Tensegrity-Strukturen bestehen aus einem diskontinuierlichen System von Druckstäben, das durch ein kontinuierliches System von Zugstäben im Gleichgewicht gehalten wird. Fuller beschrieb Tensegrity-Strukturen dementsprechend als „small islands of compression in a sea of tension“.

Der britische Architekt Richard Rogers hat für den Millenium Dome gleichfalls ein Tragwerk aus Seilen und Stäben verwendet. Diese leichte, an schrägen Masten aufgehängte Konstruktion gleicht im Prinzip einem Zirkuszelt, dessen Plane mit einer steifen Dachhaut ersetzt wurde.

Ausstellung

Die Ausstellung im 2. Geschoss, im „Tempel“ der Dauerausstellung des DAM ist gewissermaßen ein materialisierter Werkbericht des Projektes. Gezeigt werden Skizzen, Arbeits- und Präsentationsmodelle; Fotos dokumentieren den Projektverlauf. Informationen zur Entstehungsgeschichte des Tensegrity-Prinzips liefern filmische Darstellungen.

Wir danken folgenden Sponsoren und Unterstützern:
Wüstenrot Stiftung
HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH
Gesellschaft der Freunde des Deutschen Architekturmuseums e.V.
Förder- und Ehemaligenverein der Bettinaschule e.V.

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 22.01.2018