Bei den Umbauarbeiten, die seit April im Deutschen Architekturmuseum (DAM) stattfinden, wurde in einem der rückwärtigen offenen Höfchen, unterhalb der Wurzeln eines gefällten Baumes, eine Sandsteinskulptur gefunden. Diese Vollplastik aus Rotsandstein ist etwa 1,45 m hoch und in erstaunlich gut erhaltenem Zustand. Sie stellt eine stehende Frauenfigur mit einem Pfauen an ihrer Seite dar. Es dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die Darstellung der Venus als Allegorie der Sinnlichkeit handeln. An ihrer rechten Seite ist ein Pfau dargestellt, häufiges Attribut der Venus als Symbol der visuellen Schönheit aber auch der Eitelkeit. Die Oberfläche ist sehr gut erhalten, gut zu erkennen sind Reste des weißen Bleimenninge-Überzugs zum Schutz vor der Witterung. Das Alter der Gartenskulptur wird vom Denkmalamt als aus der Barockzeit, wahrscheinlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammend, angenommen. Gerade Figuren aus dieser Zeit sind selten – und selten in solch gutem Zustand erhalten. Als Gartenfigur der Barockzeit stand sie jedoch nicht im Garten der denkmalgeschützten Villa Schaumainkai 43 von 1912, die heute das Deutsche Architekturmuseum beheimatet, sondern in der Gartenanlage des Vorgängerbaus.
Über diesen ist allerdings nicht sehr viel bekannt. Karten aus der Zeit um 1860/1870 zeigen den Neubau einer Dampf-, Wasch- und Badeanstalt auf dem Nachbargrundstück Schaumainkai 41, dem heutigen Filmmuseum. Auf diesen Karten wird auch ein mittelgroßer Nachbarbau, vom Schaumainkai zurückgesetzt, dargestellt. Eigentümer des Grundstücks war laut Stadtarchiv der Rechtsanwalt Carl Jeanrenaud, dessen Schwester Cécile die Frau des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy war.
Die Ausstattung eines barocken Gartens mit Skulpturen gehörte als Ausdruck von Stil für wohlhabende Bauherren „zum guten Ton“.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts. entsprach die Figur dann sicher nicht mehr dem Zeitgeschmack und wurde daher während der Bauarbeiten an der heutigen Doppelhausvilla nach den Plänen des Architekten Fritz Geldmacher im Baugrund „entsorgt“. Dort überdauerte sie sämtliche Bewohner sowie das polnische, arabische und ägyptische Konsulat, die die Villa über die Jahre beherbergt hat. Auch bei den umfangreichen Umbauarbeiten zum Deutschen Architekturmuseum zu Beginn der achtziger Jahre durch den Architekten Oswald Mathias Ungers blieb sie unentdeckt. Ihr Vergraben hat aber auch zu ihrer guten Erhaltung beigetragen, da sie mindestens 100 Jahre nicht den Witterungsverhältnissen ausgesetzt war.
Die Skulptur soll nach ihrer Reinigung und Restaurierung durch das Archäologische Museum ihren künftigen Standort im mittleren Patio des Deutschen Architekturmuseums finden – und soll zur Wiedereröffnung des Erdgeschosses am 3. Dezember 2010 vor Ort präsentiert werden.