RAFFINESSE STATT PROTZ

"Hätten wir Backstein genommen, wären wir nicht glaubhaft gewesen.“ zitiert das Handelsblatt Jürgens Steffens zu seinem Neubau der Konzernzentrale Thesen-Krupp in Essen, die am 17.06.2010 offiziell eröffnet wird, und deren Wettbewerb er in Kooperation mit dem Pariser Studio Chaix & Morel gewonnen hatte. Weitere Beispiele sind die neue Unilever-Zentrale, gebaut vom Stuttgarter Architekturbüro Behnisch und Partner sowie der neue Sitz der Zeitschrift „Der Spiegel“, der gerade in der Hamburger Hafencity gebaut und vom dänischen Architekturbüro Henning Larsen Architects geplant wird. Drei Beispiele für den Umgang von Konzernen mit ihren baulichen Manifestationen. „Für Firmen ist es wichtig, eine Aussage zu finden, die ihrem Metier entspricht“, so der Frankfurter Architekt Michael Schumacher, „aber spektakulär zu sein, ist kein Wert an sich.“ Denn „der Bilbao-Effekt, hundertmal kopiert, kann funktionieren, muss aber nicht“, sagt Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums. Wichtiger sei die Umsetzung der Werte, die das Unternehmen vermitteln möchte mit „Raffinesse statt Protz“ wie das Handelsblatt schreibt: Sei es Innovationskraft und Weltoffenheit im Fall Thyssen-Krupp, so sei beim „Spiegel“ vor allem das Thema Kommunikation, um das der städtebaulich enger eingebundene Entwurf kreist. Bei der Unliever-Zentrale wiederum die Flexibilität der Arbeitsumgebung ein wichtiges Thema gewesen. Peter Cachola Schmal berichtet, dass die Firmenzentrale in die Auswahl für die besten Bauten in Deutschland genommen werde, die das Deutsche Architektur-Jahrbuch im Herbst präsentiert.

Alle drei Projekte seien sehr bemerkenswert, resümiert Michael Schumacher: „Die Idee der Corporate Architecture führt dazu, dass man bessere Architektur bekommt.“ Und: Alle neuen Gebäude haben Zertifizierungen als umweltverträgliche Bauten. Das diene nicht nur dem Image: „Bald wird es so sein, dass man keine Immobilie mehr gut weiterverkaufen kann, wenn sie nicht ein Nachhaltigkeits-Zertifikat hat, denn sonst wird man vom Markt abgestraft“, so Peter Cachola Schmal.

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 22.05.2012