VON HÄUSERN UND MENSCHEN – Jugendliche fotografieren Architektur

Zielgruppe: Jahrgangsstufe 7
Projektleitung: Mirko Krizanovic, Fotograf
Durchführung: Hostatoschule Höchst 2010
Organisationsform: Projektwoche und Ausstellung im DAM

Architekturmuseum macht Schule. Architektur betrifft ausnahmslos jede/n von uns. Wo wir gehen und stehen, Architektur ist immer schon da und das 24 Stunden am Tag. Sie klebt an uns wie unsere „dritte Haut“. Architektur ist also für uns Nutzer und Nutzerinnen objektiv von großer Bedeutung, subjektiv jedoch nehmen wir sie als selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags viel zu wenig bewusst wahr.

Architektur ist allenthalben Bestandteil schulischer Lehrpläne, im Unterrichtsalltag jedoch spielt sie eine eher untergeordnete Rolle, häufig ein wenig stiefmütterlich behandelt. Daran (hoffentlich) etwas zu ändern, ist die pädagogische Absicht der Projektidee „Architekturmuseum macht Schule“, die in diesem Diskussionszusammenhang entstanden ist. Möglichst quer durch die Schullandschaft sollen praxisorientierte, alltagsbezogene Projekte Schülern und Schülerinnen die Tür zur Architektur öffnen und dieser im Gegenzug die manchmal fehlende Bodenhaftung verleihen.

Schüler\innen der Hostatoschule
– der Natur in der Großstadt auf der Spur

Architektur verstehen lernen, heißt Architektur sehen lernen. Und sehen lernen heißt, immer wieder hinschauen, den Blick schärfen und unterschiedliche Perspektiven einnehmen – genau dazu zwingt das Medium der Fotografie wie kein anderes. Denn nur über die gezielte Schulung der Wahrnehmung gelingt es, Kriterien für die Bewertung von Architektur zu entwickeln, gute zu erkennen und sie gleichzeitig von schlechter oder banaler unterscheiden zu können. Die Ausstellung „Stadtgrün – Landschaftsarchitektur für das 21. Jahrhundert“ bietet den Rahmen für den Fotografieworkshop “Von Häusern und Menschen”, den das Deutsche Architekturmuseum 2010 zum dritten Mal in Folge organisierte. Schulleitung und Kollegium der Hostatoschule in Frankfurt-Höchst haben in der Jahrgangsstufe 7 ein Stück Stundenplan frei geräumt und dem Fotojournalisten Mirko Krizanovic das Feld für eine kompakte Projektwoche überlassen und machen damit einmal mehr das pädagogisch oft beschworene, im Unterrichtsalltag jedoch nur selten einlösbare „Lernen aus erster Hand” möglich.

In der Projektwoche konfrontiert Mirko Krizanovic die Schüler\innen zunächst mit einer Reihe ganz unterschiedlicher Fotos, um zum einen „sehen“ und „wahrnehmen“ zu trainieren, zum anderen „analysieren“ und „beurteilen“. Im Laufe der Fotoanalyse und -kritik machen sich die Jugendlichen nach und nach ganz entscheidende Fragestellungen zu eigen: Wann ist eigentlich ein Foto ein gutes Foto? Und warum ist manchmal das schlechte Foto vielleicht doch ein gutes Foto? Wie kommt es, dass auf dem Foto nicht das zu sehen ist, was ich gesehen habe? Wie funktioniert das mit Licht und Schatten? Anschließend geht es um die Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten „Sehanweisungen“ und die Schüler\innen veranstalten ihr erstes Foto-Shooting, zunächst im engeren Umfeld der Schule, erweitern aber sehr bald ihren Radius und beziehen mehr und mehr ihren Stadtteil mit ein. Kleine Feedbackrunden und weitere Foto-Sessions mit immer differenzierteren Aufgabenstellungen lösen einander ab. Bei einem Besuch der Ausstellung „Stadtgrün“ im Palmengarten können sich die Jugendlichen mit den speziellen Anforderungen beim Fotografieren von Pflanzen vertraut machen. Mit geschärftem Blick setzen sie ihre eigene, ganz individuelle Sichtweise auf das Thema Grün in der Stadt fotografisch um und produzieren eine Reihe von Fotos, aus denen sie fünf als Wettbewerbsbeiträge auswählen können.

Die Aventis Foundation fördert dieses Projekt im Rahmen ihrer Kultur-Initiative „eXperimente". „Unser Anliegen ist die Unterstützung von Kulturprojekten im Rhein-Main-Gebiet im Sinne der Nachwuchsförderung. Im Fokus stehen herausragende Initiativen, die Kinder und Jugendliche an kulturelle Themen heranführen, sie für Kultur begeistern und damit ihre Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Dieses museumspädagogische Konzept des Deutschen Architekturmuseums ist eine innovative Maßnahme mit nachhaltiger Wirkung für alle Beteiligten“, so Eugen Müller, Geschäftsführender Vorstand der Aventis Foundation.

Das Projekt wurde von der Aventis-Foundation großzügig unterstüzt.

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 22.05.2012