VISUALISIERUNG.
Faked Reality: Die Traumhäuser von Antonino Cardillo

Di, 1. Dezember 2015, 18 Uhr

Projektvorstellung von Antonino Cardillo, Vortrag von Carolin Höfler und anschließende Diskussion in der Reihe Constructed Realities \ Konstruierte Realitäten. Zum Verhältnis von medialen Praktiken und der Konzeption von Architektur des Kunstgeschichtlichen Instituts an der Goethe-­Universität in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum und dem Deutschen Institut für Film, Frankfurt a.M.

18:00 \ Einführung: Chris Dähne und Frederike Lausch
18:15 \ Projektvorstellung: Antonino Cardillo (Architekt Trapani/ Italien), www.antoninocardillo.com
19:00 \ Gastvortrag: Carolin Höfler (Technische Hochschule Köln)
19:30 \ Diskussion \ Moderation: Chris Dähne und Frederike Lausch

"Im Jahr 2010 veröffentlichte das Designmagazin H.O.M.E. einen bildmächtigen Artikel über das House of Convexities des italienischen Architekten Antonino Cardillo in Spanien. Zuvor war Cardillo im Londoner Magazin Wallpaper zu einem der 30 bedeutendsten jungen Architekten ernannt worden. Er hatte zahlreiche Print- und Internetmedien mit seinen Entwürfen versorgt und dabei den Anschein erweckt, dass seine Bilder physisch gebaute Räume zeigten. In Wirklichkeit handelte es sich jedoch um fotorealistische Computerrenderings ohne Bezug auf ein realisiertes Bauwerk. Der österreichische Journalist Peter Reischer deckte schließlich die Verwechselungen zwischen Bild und Abbild auf.

Vielfach diskutiert wurde die Frage, warum Cardillos Irreführung gelungen war. Als Grund für seinen Erfolg galt vor allem die Sensations- und Profitgier der Medien, die journalistische Präzision und Kontrolle vermissen lassen. Zudem wurde sein Vorgehen als Kritik an der gängigen Architekturpraxis betrachtet, wonach Architekten ohne Bauerfahrung keine Chance hätten, einen Auftrag zu erhalten, weshalb sie zu Täuschungen gezwungen wären. Unterbelichtet blieb hingegen die Frage, warum Cardillos Bilder, die als Renderings leicht erkannt werden können, Fotografien vorgezogen oder gar als Fotografien wahrgenommen wurden.

Eine mögliche Erklärung hierfür wäre, dass die Unterschiede zwischen Bild, Modell und Wirklichkeit in der gegenwärtigen Architekturproduktion zunehmend verschliffen werden. Einerseits gleicht sich die gebaute Wirklichkeit immer stärker der fotorealistischen Ästhetik von Computerbildern an, andererseits trägt die Nachbearbeitung digitaler Fotografien dazu bei, dass diese wie Modellrenderings wirken. Zu einem Überdenken des Verhältnisses von Bild und Bau fordert auch das Aufkommen eines Architekturtyps heraus, der als 'iconic building' beschrieben werden kann. Er zielt auf die Schaffung von vermarktbaren Bildern, die in einem globalen Bildkreislauf erfolgreich zirkulieren und ein Massenpublikum eher emotional als intellektuell ansprechen können. Der Vortrag widmet sich den digitalen Bildern von Cardillo unter der umfassenden Perspektive einer Zusammenschau von Bild, Modell und Wirklichkeit und reflektiert seine Entwürfe als 'global visuals'." (Carolin Höfler)

Mitglieder der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen können für die Teilnahme 2 Fortbildungspunkte erhalten.

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 21.06.2018