WANDEL, BEKEHRUNG, VERRAT? MUTABILITÄT IN WERK UND KARRIERE VON ARCHITEKTEN

Kolloquium
Do, 15. März 2018, 16.00 – 20.00 Uhr, Auditorium des DAM, Eintritt frei

Im Märchen Kalif Storch von Wilhelm Hauff vollzieht sich Verwandlung ganz einfach: Ein Zauberwort genügt – „Mutabor“ – und der Mensch verwandelt sich in ein Tier, z. B. in einen Storch; er kann fliegen und die Stimmen der anderen Tiere verstehen. Dasselbe Wort ein zweites Mal, und man ist wieder Mensch. Der Haken dabei: Man darf nicht lachen, denn dann ist das Wort automatisch gelöscht. Eine ernste Sache also. Die Biologie kennt die Mutabilität (Wandlungsfähigkeit) der Individuen als positive Größe: diese gewährleiste genetische Variabilität, ohne die es keine Evolution der Gattung geben kann.

Auch Architekten bedürfen der Mutabilität, um auf Veränderungen, die sie nicht beeinflussen können, zu reagieren. Andernfalls riskieren sie den Verlust der Aufträge, von denen sie existieren. Das unterscheidet ihr Fach von den freien Künsten. Der Vorwurf des Opportunismus steht schnell im Raum. Die von Heilsversprechen begleitete Klassische Moderne hatte Mutabilität in den Überzeugungen ausgeschlossen. Für lange Zeit waren Überzeugungen zugleich Bekenntnisse. Ein Pluralismus der Auffassungen konnte sich erst seit den 1970er Jahren im Zuge der Postmoderne entfalten. Philip Johnson, das notorische enfant terrible der Zunft, provozierte die Kollegen mit dem moralfreien Bekenntnis, als Architekt eine Hure zu sein, ganz frei von Überzeugungen.

Zum Kolloquium sind renommierte Architekturhistoriker eingeladen, die die Aspekte der Mutabilität am Beispiel illustrer Karrieren des zwanzigsten Jahrhunderts und ihrer auffälligen Brüche erläutern werden.

 

  • 16:00 Peter Cachola Schmal, Direktor DAM: Begrüßung
  • 16:05 Wolfgang Voigt: Einführung

1. Runde – Mutabilität in der Architekturmoderne

  • 16:15 Wolfgang Pehnt: Einmal Moderne und zurück: über Wilhelm Kreis, Peter Behrens, Dominikus Böhm und Rudolf Schwarz
  • 16:45 Wolf Tegethoff: Mies van der Rohes Projekt für den Deutschen Pavillon auf der Brüsseler Weltausstellung 1935
  • 17:15 Uwe Bresan: Ich bin eine Hure!" Über das vielgestaltige Werk Philip Johnsons

    17:45 Kaffeepause

2. Runde – Mutabilität, zwei Fallgeschichten

  • 18:15 Ed Taverne: Das Shell-Gebäude von J. J. Pieter Oud. Ein Manifest für Vitalität und kreative Integrität
  • 18:45 Wolfgang Voigt: Franz Roeckle in Frankfurt und Liechtenstein: Eine Karriere mit abrupter Wende
     
  • 19:15 Podium mit den Referenten, Diskussion mit Publikum
  • 20:00 Ausklang mit Wein und Brezeln



Unser Dank gilt den Familien Roeckle und Hilti, Vaduz/Liechtenstein 

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 19.02.2018