Brutalismus

DAS DAM – SEINE ANFÄNGE UND ENTWICKLUNG

Das DAM verdankt seine ersten sehr erfolgreichen Jahre der Persönlichkeit seines Gründers Heinrich Klotz und der Aufbruchstimmung Frankfurts, das damals nach einem neuen Image suchte – von „Mainhattan“ zu „Frankfurt. Die Stadt“. Dafür aktivierte Frankfurt Kultur, Kunst und Architektur und baute das Museumsufer. Die ersten Jahre des Museums waren geprägt von den hitzigen Debatten um die Postmoderne, einer dezidierten Kritik an der „Klassischen Moderne“, der eine weltweite Neuorientierung hin zu mehr Individualität und Pluralismus in der Architektur folgte. Heinrich Klotz führte diese Diskussion an und machte das DAM zu ihrem anregenden und kritischen Mittelpunkt in Ausstellungen und Publikationen. Das DAM entwickelte sich in dieser Zeit zu einer weltweit bekannten Institution.

Vittorio Magnago Lampugnani, der 1990 als Nachfolger von Heinrich Klotz ans DAM kam, initiierte erstmals zwei viel beachtete Ideen-Wettbewerbe – „Berlin morgen. Ideen für das Herz einer Großstadt“ und „Die Umstrukturierung des Frankfurter Osthafens“. Zu seinen großen Ausstellungen zählten jene über die Baumeister Heinrich Tessenow und Antonio Sant’ Elia sowie den Gartenarchitekten Peter Lenné, außerdem die Städteausstellungen über Hongkong und Barcelona. Viel beachtet und diskutiert war die Trilogie zur „Architektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland“.

Lampugnanis Nachfolger Wilfried Wang, der von 1995–2000 das Museum leitete, vertiefte das Thema der nationalen architektonischen Kulturlandschaft und präsentierte in einer Serie von Ausstellungen die Architektur des 20. Jahrhunderts in einzelnen Ländern Europas. Die Ausstellungen über Mart Stam, Eileen Gray und Heinz Bienefeld würdigten bedeutende Vertreter der Moderne. Mit der Ausstellung „Filmarchitektur“ rückte Wang gattungsübergreifende Themen in den Mittelpunkt. Viel beachtet war die Serie von Werkberichten europäischer Architekten und die umfangreiche Folge der internationalen Architektur- und Städtebaudiskurse.

Ingeborg Flagge, Direktorin von 2000–2005, gelang es das Haus für ein breiteres Publikum zu öffnen, nicht zuletzt auch durch die Einrichtung eines Cafés im Eingangsbereich. Mit 100.000 Besuchern im Jahr 2004 konnte das DAM einen wirklichen Besucherrekord verzeichnen. Erstmals wurden monografische Ausstellungen über noch lebende Architekten – Thomas Herzog, Kisho Kurokawa, Oskar Niemeyer und Rob Krier – aber auch über Bauingenieure wie Jörg Schlaich veranstaltet. Dabei scheute die Direktorin auch vor so populistischen Themen wie „Friedensreich Hundertwasser. Ein Sonntagsarchitekt“ nicht zurück. Zwei international renommierte Architekturpreise hat Ingeborg Flagge am DAM ins Leben gerufen: den Architecture and Technology Award und den erstmals 2004 in der Frankfurter Paulskirche verliehenen Internationalen Hochhaus Preis.

Seit 2006 leitet der Architekt und Architekturkritiker Peter Cachola Schmal das DAM. Er war bereits seit 2000 als Kurator am Museum tätig.


DAS DAM HEUTE

Das DAM – nationales Zentrum für Architekturdebatten
Das DAM ist nicht nur ein Museum unter den vielen in der Stadt Frankfurt, es ist darüber hinaus das „Deutsche Architekturmuseum“ mit einem nationalen Anspruch. Alle unsere europäischen Nachbarländer besitzen inzwischen jeweils eigene nationale Zentren für die Belange ihrer Baukultur. Das DAM nimmt diesen Anspruch, den Heinrich Klotz bei der Gründung intendiert hatte, wieder verstärkt wahr und stellt nicht nur mit seinen Ausstellungen, sondern auch auf Tagungen, Symposien und in Vorträgen aktuelle und zukünftige architektonische Fragen und städtebauliche Probleme zur Diskussion. Das DAM stellt sich darüber hinaus auch weiterhin den aktuellen Themen am Standort Frankfurt. Die Veranstaltungsreihe “Pecha Kucha Night“, nach dem erfolgreichen Vorbild aus Tokio, findet regelmäßig in außerhalb des DAM liegenden Locations statt und bietet einen lockeren interdisziplinären Treffpunkt für die architektur- und designorientierte junge Szene. (www.pechakuchanight.de)

Das DAM ist stolz, im November 2007 Deutschland auf der 7. Internationalen Architekturbiennale São Paulo vertreten haben zu dürfen. Generalkommissar Peter Cachola Schmal und die Co-Kuratorin Anna Hesse präsentierten unter dem Motto „Ready For Take-Off. Aktuelle deutsche Exportarchitektur“ ausgewählte Projekte von 16 Architekturbüros, die in einer ungewöhnlichen Inszenierung vor Ort im Biennale Pavillon von Niemeyer und im Sommer 2008 im DAM gezeigt wurden.

Das DAM – eine Ausstellungshalle
Das DAM funktioniert in großen Teile wie eine Ausstellungshalle. In mehreren großen und vielen kleinen Ausstellungen jährlich bezieht es sowohl zu architekturhistorischen wie auch aktuellen Themen der Architektur und des Städtebaus Stellung. Während der Frankfurter Buchmesse werden architektonische Ausstellungen zum jeweiligen Gastland der Buchmesse veranstaltet, so zu Korea, Katalonia und Türkei in den letzten Jahren, zu China in 2009 und Argentinien in 2010. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Sonderführungen, Exkursionen und Tagungen vertieft die Themen der Ausstellungen, um nicht nur das Interesse der Fachleute, sondern auch der Laien zu wecken und den Zugang zu den Wechselausstellungen zu erleichtern. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit der benachbarten Städelschule Architecture Class räumt auch der Zukunft der Architekturentwurfsforschung einen hohen Stellenwert im DAM ein.

Das DAM – ein international vernetzter Partner
Die Zusammenarbeit des DAM mit ähnlich ausgerichteten Institutionen in Europa und Übersee ist verstärkt worden, nicht nur mit Gremien wie dem Verband ICAM (International Confederation of Architectural Museums), den Heinrich Klotz mitgründete und der im Herbst 2009 sein 30-jähriges Jubiläum in Helsinki feierte. Dies soll sich in verstärktem Austausch und schließlich auch in der gemeinsamen Herstellung und Finanzierung von Ausstellungen zeigen. Die internationale Wanderung von Ausstellungen des DAM wurde verstärkt und professionalisiert. 2009 wanderte die koreanische Ausstellung „Megacities Network“ nach Tallinn, Barcelona und Seoul, die türkische Ausstellung „Becoming Istanbul“ nach Berlin, Bahrain, Bordeaux und Istanbul, die Ausstellung „Gaudi Unseen“ nach Stockholm und Kolding. Die „Gottfried Böhm“ Ausstellung ging von Köln nach Burgau, und die „Jean Prouvé“ Ausstellung wandert seit Jahren durch die Welt, zuletzt nach Wien und Seoul.

Das DAM – eine Bildungseinrichtung
Architektur erklärt sich nicht von allein. Die Bedeutung von Architektur bedarf der Interpretation und Kommentierung. Qualität in der Architektur ist nicht identisch mit spektakulärem Bauen. Um dafür schon frühzeitig die Sinne zu schärfen gestaltet das DAM ein umfangreiches Programm für Kinder und Jugendliche mit Führungen, Workshops und Ferienangeboten, sowie einem differenzierten Bildungsprogramm für die Schule, unter dem Motto „Das DAM macht Schule“.

Das DAM – ein Sammlungsort
Als Museum führt das DAM seine bisherige Tradition des Sammelns und Bewahrens von Architekturzeichnungen, -skizzen, -modellen und Nachlässen weiter fort. Die von Heinrich Klotz begründete Sammlung bietet nicht nur zukünftigen Generationen einen Überblick über das architektonische Geschehen in Deutschland seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, sie ist auch ein wichtiger Fundus für Forschungen und Ausstellungen. Zusammen mit anderen internationalen Institutionen arbeitet das DAM verstärkt an der Lösung der Archivierung digitaler Materialien.

Das DAM – seine Publikationen und Architekturpreise
Neben den umfangreichen Katalogen zu den Wechselausstellungen erscheint seit über zwanzig Jahren das Jahrbuch des DAM. Es stellt die besten Bauten des Jahres aus Deutschland vor und wurde in "Deutsches Architektur Jahrbuch" umbenannt. Alle im Jahrbuch erwähnten Projekte werden jeweils in der Ausstellungsreihe "Die besten Bauten aus Deutschland" im Haus-im-Haus im 3.OG präsentiert, darunter auch der Gewinner des 2008 erstmals vergebenen DAM Preises für Architektur in Deutschland, dessen Verleihung im Rahmen der Ausstellungseröffnung stattfindet und auch einen Festvortrag des Preisträgers beinhaltet. Daneben ist das DAM beteiligt an dem renommierten Internationalen Hochhaus Preis, der im November 2010 zum vierten Mal vergeben wurde, sowie am Europäischen Architekturfotografie-Preis und dem European Union Mies van der Rohe Prize.

Herausgeber: © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M., Schaumainkai 43, 18.10.2017